Nach einer jüngst veröffentlichten Studie des niedersächsischen Landesbeauftragten für den Datenschutz (LfD), Joachim Wahlbrink, verstoßen nahezu alle in Betrieb befindlichen Kameras gegen geltende Gesetze.
Christine Haasler, Vorstandsmitglied der niedersächsischen Piraten: "Die Piratenpartei bezweckt mit ihrer Politik auch den Schutz des Einzelnen. Dieser wird derzeit allerdings durch den massiven und gesetzeswidrigen Einsatz von Überwachungskameras im Land verhindert. Vom Gesetzgeber auferlegte Pflichten werden von vornherein missachtet und mit Füßen getreten."
Insgesamt hat Wahlbrink von Dezember 2008 bis März 2010 3.345 niedersächsische Überwachungskameras untersucht. Diese werden überwiegend von den Landesbehörden sowie von 34 Kommunen im öffentlichen Raum eingesetzt. Etliche dieser Kameras erlauben Einblicke in sehr private Lebensbereiche wie z. B. in Wohnungen, Arztpraxen, Krankenhäuser oder Hallenbad-Umkleidebereiche. Teilweise wurden JVA-Insassen selbst bei der Toilettenbenutzung gefilmt.
Es fehlt an allen Ecken und Enden, was die Planung und Durchführung der Videoüberwachung anbetrifft. So ist es laut des niedersächsischen Landesbeauftragten für Datenschutz teilweise für Dritte problemlos möglich, sich Zugang zu verschaffen und die Bilder beispielsweise in das Internet zu übertragen. Obwohl es vom Datenschutzgesetz explizit gefordert wird, werden darüber hinaus zahlreiche Straßen in Niedersachsen videoüberwacht ohne den Bürger entsprechend zu informieren.
Andernorts werden zwar Hinweisschilder angebracht, allerdings in einer völlig unzureichenden Art und Weise. Sofern nicht aktiv nach ihnen gesucht wird, können sie kaum entdeckt werden. Teilweise, wie in Braunschweig üblich, sind die Hinweisschilder kleiner als die sehr kleinen Verkehrschilder, die über Parkzeiten informieren.
"Die staatlichen Behörden halten sich selbst nicht an die geltende Ordnung und verhalten sich sogar grundgesetzwidrig, da sie die Privatsphäre des Einzelnen völlig missachten. Es ist kein Kavaliersdelikt, wenn unsere Mitbürger in Seniorenheimen, an Arbeitsplätzen oder in Hotels als Kollateralschaden des staatlichen Kontrollwahnsinns betrachtet werden und man billigend den Eingriff in die Privatsphäre der Bürger in Kauf nimmt", sagt Dennis Plagge, Vorstandsmitglied der PIRATEN Niedersachsen, "Man könnte glatt den Eindruck haben, dass willentlich Vorschriften missachtet werden. Aus der Stadt Hildesheim hört man, dass die dortige Polizei zwar schon Schilder für die Videoüberwachung vorgesehen habe, diese aber schließlich nicht aufgehängt wurden, da es eine Weisung von oben gegeben hätte. Die Videoüberwachung in Niedersachsen ist insgesamt völlig inakzeptabel und beschneidet uns alle in unseren Rechten. Deshalb sollten wir selber genau hinsehen, wenn der Staat uns beobachten will."
Es reicht scheinbar nicht, alle Bürger unter einen Generalverdacht zu stellen und auf Schritt und Tritt beobachten zu wollen. Schlimmer ist hier das komplett fehlende Rechtsbewusstsein der ausführenden Stellen, die mit diesem Einsatz an nutzloser Technik auch noch Unmengen an Steuergeldern verschwenden.
Hier muss jetzt endlich ein Umdenken erfolgen, um den Schutz der Bürger vor den Voyeurismus des Staates zu stellen.
Christine Haasler und Dennis Plagge fassen zusammen und fordern im Namen der PIRATEN:
- Datenschutz als höchstes Gut zu achten
- die Abschaltung aller gesetzeswidrig installierten Kameras
- den Rücktritt von Innenminister Uwe Schünemann, der als oberster Zuständiger für den Betrieb der illegalen Kameras der Polizei in Niedersachsen zuständig ist."
(Piraten)
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Kommentare
Der Datenschutz darf nicht zum Täterschutz werden, eine Freie und demokratische Gesellschaft braucht eben mehr Sicherheit. Kameras sind dazu geignet mehr Sicherheit zu schaffen.
NRW Wahl, mein Stimmzettel:
[X] CDU
Du hast nichts zu vergeben? Ich persönlich möchte weder in der Umkleidekabine noch auf Toilette noch beim Sex (jawoll!) gefilmt werden. Bin da wohl nicht so exhibitionistis ch veranlagt wie Du.
Viele Grüße
Petra
-Abschaffung aller Kameras, einschließlich Verkehrslenkung und ~überwachung (z.B. Verkehrsdichte, Rotlicht)
-Blitzer sind eh nur Abzocke (Freie Fahrt für Freie Bürger, jederzeit und überall)
- Abschaffung der Polizei (die wollen ja eh nur unbescholtene Bürger verhauen)
Ich weiß nicht wo Sie überall Sex praktizieren, ich jedenfalls nicht mitten auf der Kreuzung oder auf der Fahrbahn der Autobahn!!
bitte vermischen Sie doch nicht unterschiedlich e Themen. Im obigen Artikel geht es um _gesetzwidrig_ installierte Kameras.
Ich zitiere: "Etliche dieser Kameras erlauben Einblicke in sehr private Lebensbereiche wie z. B. in Wohnungen, Arztpraxen, Krankenhäuser oder Hallenbad-Umkleidebereich e. Teilweise wurden JVA-Insassen selbst bei der Toilettenbenutz ung gefilmt."
Das geht in meinen Augen entschieden zu weit. Ich halte mich an die Gesetze und erwarte das gleiche vom Staat und seinen ausführenden Organen. Ist das in Ihren Augen zuviel verlangt?
Hier stimme ich den Piraten im übrigen ausnahmsweise einmal voll und ganz zu: Diesem gesetzwidrigen Verhalten müssen Konsequenzen folgen! 99 % sind kein Pappenstiel!
U. a. regelt Artikel 13 unsere Grundgesetzes (siehe http://dejure.org/gesetze/GG/13.html) im übrigen:
"(1) Die Wohnung ist unverletzlich.
(4) Zur Abwehr dringender Gefahren für die öffentliche Sicherheit, insbesondere einer gemeinen Gefahr oder einer Lebensgefahr, dürfen technische Mittel zur Überwachung von Wohnungen nur auf Grund richterlicher Anordnung eingesetzt werden. Bei Gefahr im Verzuge kann die Maßnahme auch durch eine andere gesetzlich bestimmte Stelle angeordnet werden; eine richterliche Entscheidung ist unverzüglich nachzuholen.
(5) Sind technische Mittel ausschließlich zum Schutze der bei einem Einsatz in Wohnungen tätigen Personen vorgesehen, kann die Maßnahme durch eine gesetzlich bestimmte Stelle angeordnet werden. Eine anderweitige Verwertung der hierbei erlangten Erkenntnisse ist nur zum Zwecke der Strafverfolgung oder der Gefahrenabwehr und nur zulässig, wenn zuvor die Rechtmäßigkeit der Maßnahme richterlich festgestellt ist; bei Gefahr im Verzuge ist die richterliche Entscheidung unverzüglich nachzuholen."
Auch die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen ist diesbgzl. eindeutig:
"Artikel 12
Niemand darf willkürlichen Eingriffen in sein Privatleben, seine Familie, seine Wohnung und seinen Schriftverkehr oder Beeinträchtigun gen seiner Ehre und seines Rufes ausgesetzt werden. Jeder hat Anspruch auf rechtlichen Schutz gegen solche Eingriffe oder Beeinträchtigun gen."
(http://www.unric.org/de/menschenrechte/16)
Viele Grüße
Petra
oder sich in Afgahnistan für nix in den Arsch schießen läßt?
Gesetzestreu heißt, sich von oben alles gefallen lassen bis die Freiheit ganz und gar am Arsch ist. Galuben sie wirklich da oben sitzen gesetzestreue Politiker denen sie hörig sind? Lesen sie Georg Orwell 1984 oder Bohrwurm.net. CDU,FDP,SPD? um Gottes Willen. Wollen sie wirklich so weitermachen bis zur bitteren Kapulitation.
Lesen sie das Bandbreitenmode l oder ddp.
Werte und Moral gehen vor Überwachung und Gesetze.
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