Die Erhöhung des EZB-Leitzinses war bereits seit Wochen erwartet worden. EZB-Chef Trichet hatte bereits nach der letzten Sitzung des EZB-Rates Anfang Juni eine Anhebung um 0,25 Prozent auf 4,25 Prozent angedeutet. Die Zinspolitik der EZB wurden in der Finanzwelt und der Politik in den vergangenen Monaten heiß diskutiert. Die Zentralbank steckt derzeit in einem Dilemma: Mit einer Verteuerung der Zinsen für die Eurozone kann die EZB vielleicht einem weiteren Preisauftrieb in den 15 Mitgliedsstaaten entgegenwirken. Jedoch gefährdet sie dadurch zugleich das Wirtschaftswachstum in der Eurozone.
In der zweiten Jahreshälfte sei für die Wirtschaft in der Eurozone mit einer deutlichen Abkühlung zu rechnen, sagte EZB-Chef Trichet weiter. Zwar sei in den ersten drei Monaten des Jahres das Wirtschaftswachstum mit 0,8 Prozent unerwartet hoch ausgefallen. Jedoch mache sich in den Wirtschaftsdaten für das zweite Quartal schon eine deutliche Abschwächung bemerkbar. Für weitere Besorgnis sorge bei der EZB der starke Anstieg der Energie- und Lebensmittelpreise, sagte Trichet. Auch in den kommenden Monate sei mit einem weiteren Kostenanstieg zu rechnen.
Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) verspricht sich von der EZB-Entscheidung insgesamt positive Effekte für die Wirtschaft. Die Verbraucher stünden wegen des Preisauftriebs unter Druck, erklärte BDI-Präsident Jürgen R. Thumann. Die Befürchtung, höhere Zinsen könnten den Aufschwung abwürgen, verkenne die eigentlichen Risiken für die Wirtschaft.
Nach Einschätzung der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi wird die Zinserhöhung für Verbraucher keine positiven Effekte haben. Der starke Anstieg der Inflation sei ausschließlich die Folge steigender Rohstoffpreise, erklärte Verdi-Chef Frank Bsirske. Darauf mit Zinserhöhungen zu reagieren, sei kontraproduktiv.
















