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Alle Kraft für Obama
 
© ddp
Hillary Clinton wollte nicht sang- und klanglos aus diesem Vorwahlkampf verschwinden, nicht nachdem sie Barack Obama ein derart erbittertes Duell um die US-Präsidentschaftskandidtur der Demokratischen Partei geliefert hatte. Und so gönnte sich Clinton am Samstag in Washington noch einmal mit einer 28 Minuten langen Abschiedsrede einen letzten großen Auftritt auf nationaler Bühne.

Acht Minuten dauerte es während dieser Ansprache, bis sie den Namen ihres Kontrahenten in den Mund nahm. Doch dann sprach sie von Obama in den höchsten Tönen: "Ich habe bei seinem Wahlkampf als Zuschauerin in der ersten Reihe gesessen und war Zeugin seiner Kraft, seiner Bestimmtheit und seines Durchhaltewillens. Ich möchte, das wir nun alle unsere Energie sammeln, um Barack Obama dabei zu helfen, Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika zu werden."

Clintons Rede in Washington war der letzte Akt eines zähen Abschieds von ihren Hoffnungen auf die Präsidentschaft in der kommenden Legislaturperiode. Schon am vergangenen Dienstag hatten viele Clinton für ihren Kleinmut kritisiert, als sie sich nach der letzten Vorwahl weigerte, Obama als den Kandidaten anzuerkennen. "Eie echte Dame weiß, wann die Party vorbei ist", schrieb dazu etwa die Kolumnistin Mary Sanchez im "Kansas City Star".

Nachdem sich am Donnerstag jedoch auch Clintons getreueste Parteifreunde für Obama ausgesprochen hatten, wuchs der Druck auf die Kandidatin, sich hinter den klaren Vorwahlsieger zu stellen, um die Partei zu einen. Am Donnerstagabend traf Clinton sich dann zu einem Vieraugen-Gespräch mit Obama, um die Grundzüge einer gemeinsamen Strategie für den Hauptwahlkampf zu entwickeln.

Hillary Clinton tat sich wohl auch deshalb so schwer damit, ihre Niederlage einzugestehen, weil sie zu Beginn der demokratischen Vorwahl als die beinahe sichere Siegerin ausgesehen hatte. Als sich im Sommer 2006 die Anzeichen dafür verdichteten, dass die New Yorker Senatorin sich auf einen Präsidentschaftswahlkampf vorbereitet, glaubte das Nachrichtenmagazin "Time", dass die Vorwahl für Clinton ein "Spaziergang" werde. In Umfragen des Magazins lag sie deutlich vor allen anderen möglichen Bewerbern ihrer Partei.

Auch nachdem Obama im Mai 2007 seine Kandidatur erklärte, war Clinton noch die klare Favoritin. Für sie sprachen ihre Erfahrung als First Lady im Weißen Haus, ihre starke Position innerhalb der Partei aufgrund des Gewichts ihres Mannes und die erprobte Wahlkampfmaschinerie der Clintons.

Doch bei der ersten Vorwahl in Iowa erlebte Hillary Clinton einen Schock. Alle Prognosen sprachen klar für Clinton, doch es siegte Obama. Clinton erholte sich zwar rasch wieder mit einem Folgesieg in New Hampshire, es zeichnete sich jedoch immer deutlicher ein knappes Rennen ab. Hinzu kam, dass Obama beim Spendensammeln als deutlich erfolgreicher war als Clinton. Am Ende konnte er mit 265 Millionen gut 50 Millionen mehr als Clinton einnehmen - vorwiegend aus Privatspenden über das Internet.

Es war von Anfang an ein Fehler der Clinton-Kampagne, dass sie Obama unterschätzte. So hatte Clinton damit gerechnet, am "Super Tuesday" im Februar mit Vorwahlen in 24 Staaten bereits den Sieg klar machen zu können. Das Ergebnis jenes Dienstages war jedoch uneindeutig - Clinton gewann mehr Staaten, Obama hingegen mehr Delegiertenstimmen. Anders als Obama hatte die Clinton-Kampagne jedoch für die nächsten Vorwahlen weder eine Strategie noch ausreichend Mittel, und so folgte eine Serie von entscheidenden Siegen für Obama.

Auch ging Clintons Strategie, Obama als zu unerfahren zu zeichnen, nach hinten los. Obama schaffte es sogar, den Spieß umzudrehen und Clintons lange Jahre in Washington als Zeichen dafür darzustellen, dass sie einem frischen Wind in der Politik im Wege stehen würde. Den unzweideutigsten Beleg hierfür fand Obama in der Tatsache, dass Hillary Clinton im Jahr 2002 für die Invasion des Irak durch die USA gestimmt hatte.

Nach ihrer Niederlage ringt Hillary Clinton nun um ihre politische Zukunft. Noch immer stehen Spekulationen darüber im Raum, dass sie unter Obama Vizepräsidentin werden könnte. Obama hat sich bislang weder dafür noch dagegen entschieden und nur verlauten lassen, dass er sich "mit der Entscheidung Zeit lassen werde." Ein Sprecher Clintons sagte wiederum, dass die Entscheidung "alleine bei Obama liegt."

Denkbar sind jedoch auch ein Kabinetts-Posten oder eine führende Rolle im Senat. Ihr politisches Kapital bei der Suche nach einem neuen politischen Ziel ist ihr nach wie vor gut funktionierendes Geldbeschaffungsnetzwerk sowie ihre Zugkraft bei jenen Wechselwählern, die Obama nicht erreicht: Frauen und weiße Arbeiter. Insofern kommen Barack Obama und die demokratische Partei auch weiterhin nicht an Hillary Clinton vorbei.

(ddp)

Schlüsselworte : Clinton, Obama, USA,

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