"Bürgerliches Engagement, Zivilcourage, das heißt, mit offenen Augen und Ohren durch das Leben zu gehen. Hinschauen statt wegsehen. Etwas tun, wenn anderen etwas getan wird. Sie haben das in besonderer Weise umgesetzt. Dafür spreche ich Ihnen meine besondere Anerkennung aus", hat der Niedersächsische Justizminister Bernd Busemann am Montag (15. März 2010) zehn Bürgerinnen und Bürger begrüßt, die seiner Einladung zu einem gemeinsamen Frühstück in Meppen gefolgt waren.
"Wir alle brauchen bürgerlichen Mut zugunsten unserer Mitmenschen. Das Eintreten für mehr Zivilcourage und gegen Gewalt ist die Voraussetzung für ein besseres Miteinander der Menschen bei uns in Niedersachsen und darüber hinaus", sagte Busemann. Mit der Einladung an Menschen aus dem Emsland und der weiteren Umgebung, die sich in besonderer Weise eingemischt und Gewalt und Kriminalität entgegengewirkt hatten, wolle er nicht nur einen Beitrag zum landesweiten "Aktionstag für mehr Zivilcourage und gegen Gewalt" leisten, sondern vor allem denjenigen persönlich danken, "die nicht tatenlos zugeschaut haben, sondern selbst aktiv geworden sind".
Am Aktionstag, der unter der Schirmherrschaft des Niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff stattfand, beteiligten sich unter anderem die Polizei, Schulen, kommunale Präventionsräte, Gewerkschaften und Vereine. Auch die niedersächsischen Amts- und Landgerichte unterstützten das Anliegen.
Helfen und Zivilcourage zeigen könne manchmal natürlich auch mit Gefahren verbunden sein. Durch den tragischen Tod des Dominik Brunner in München, aber auch durch die eigenen Erfahrungen, die einige der Gäste des Ministers machen mussten, sei das deutlich geworden. "Das soll und darf aber nicht dazu führen, dass Menschen Angst haben, Zivilcourage zu zeigen. Andere Personen durch Rufen aufmerksam machen, demonstrativ die Polizei rufen, oder zumindest genau beobachten und sich später als Zeugin oder Zeuge bereithalten, sind Möglichkeiten, mit denen jeder etwas tun kann, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen", machte Busemann deutlich.
In diesem Zusammenhang wies der Justizminister auf die jetzt neu aufgelegte Broschüre "Zeugen gesucht" hin, die ab sofort bei allen Amts- und Landgerichten erhältlich ist. "Sie soll Menschen in der Rolle als Zeugin oder Zeuge eine Orientierung geben, aufklären und helfen, soweit noch Unsicherheiten bestehen. Die wesentlichen Rechte und Pflichten als Zeugin und als Zeuge werden darin erläutert", sagte Busemann. Für die Justiz und eine konsequente Strafverfolgung sei es unverzichtbar, dass Bürgerinnen und Bürger gegebenenfalls eigene Interessen hintan stellten und für das Gemeinwohl bereit seien, auch die eine oder andere Unannehmlichkeit auf sich zu nehmen. "Justiz ist, wenn alle mitmachen", so Busemann abschließend.
In folgenden Situationen haben die eingeladenen Bürgerinnen und Bürger besondere Zivilcourage gezeigt:
Schwere räuberische Erpressung (Raubüberfall auf einen Kiosk) in Lingen
Durch das beherzte Vorgehen der Zeugen Thomas P., Marcus L., Anette P. und Ute S. konnte der Täter von der Tatausführung des Überfalles auf den Kiosk und von weiteren Handlungen gegenüber dem Opfer Thomas P. abgehalten, sowie letztendlich auch erfolgreich festgenommen werden. Während des Überfalles war Herr P. der Kioskbedienung zu Hilfe geeilt. Im Kiosk hatte Herr P. durch das Zeigen seines Mobiltelefons einen Notruf zur Polizei vorgetäuscht und konnte so den Täter von weiteren Tathandlungen abhalten. Als der Täter mit dem Fahrrad flüchten wollte, wurde er von Thomas P. festgehalten, worauf der Täter ihn mit einem mitgeführten Küchenmesser angriff. Er versuchte mehrfach, auf das Opfer einzustechen. Nur durch das Eingreifen des Zeugen Marcus L. konnte dieses verhindert werden. Nach kurzer Flucht konnte der Täter in Tatortnähe von mehreren Zeugen festgehalten und der Polizei übergeben werden.
Versuchte Vergewaltigung in Papenburg
Sascha K. wurde auf die versuchte Vergewaltigung in einem dunklen Hinterhof aufmerksam. Er riss den Täter vom Opfer, der Täter flüchtete. Herr K. nahm die Verfolgung des Täters auf und es gelang ihm, den Täter zu stellen und mit anderen Passanten bis zum Eintreffen der Polizei festzuhalten.
Raub eines Fahrrades in Meppen, Fußgängerzone Innenstadt
Nach einem versuchten Raub eines Fahrrades kamen Daniel B. und Robert L. als Passanten dazu. Herr B. verhinderte das weitere Vorgehen des Täters, verständigte die Polizei und übergab den Täter an die eintreffenden Polizeibeamten. Herr L. betreute zeitgleich das völlig aufgelöste weibliche Opfer.
Lebensretter nach einem Verkehrsunfall in Haren
Christian H. leistete nach einem Verkehrsunfall einem schwer verletzen Motorradfahrer als Angestellter eines anliegenden Autohauses Erste Hilfe. Durch die Erste-Hilfe-Maßnahmen konnte das Leben des Motorradfahrers gerettet werden.
Gefährliche Körperverletzung in Meppen
Daniela F. war mit ihrem Auto auf dem Weg zur Berufsschule nach Meppen. Zufällig sah sie im Vorbeifahren, wie zwei unbekannte Täter auf dem Gehweg auf eine weibliche Person einschlugen. Frau F. stieg aus und eilte dieser Frau zur Hilfe. Die Frau lief, wie auch ein in der Nähe stehender Zeuge, davon. Die beiden Täter schlugen jetzt mit einem Gegenstand auf Frau F. ein. Dadurch erlitt Frau F. erhebliche Verletzungen. Die beiden Täter konnten bisher nicht ermittelt werden.
Räuberischer Diebstahl in Werlte
In einer Drogerie-Filiale in Werlte ereignete sich ein räuberischer Diebstahl durch zwei männliche Täter. Bei der Flucht stießen die beiden Täter eine Angestellte, die sich ihnen in den Weg stellte, gegen eine Tür und flüchteten zu Fuß. Durch die Hilferufe der Filialleiterin wurden Igor S. und Kevin K. aufmerksam und nahmen unverzüglich die Verfolgung des Täters auf. Es gelang ihnen, einen der Täter zunächst zu stellen. Dieser wehrte sich jedoch heftig gegen seine zwei Verfolger und bedrohte sie. Dadurch gelang ihm schließlich die weitere Flucht. Beide Männer wurden bei ihrer Hilfeleistung leicht verletzt. Die Ermittlungen hinsichtlich der Täter dauern noch an.
(tw)














