Hannover Zeitung - Aktuelle Nachrichten aus Hannover und Umland

Facebook Twitter Delicious Google Bookmarks RSS Feed 

Tierschützer verklagen Zoo Duisburg - Größter Delfinfriedhof Europas?

Duisburger ZooDas Wal- und Delfinschutz-Forum (WDSF) im westfälischen Hagen hat jetzt mit Unterstützung von ProWal gegen die Stadt Duisburg mit seinem Zoo Klage eingereicht. Seit Jahren versucht der WDSF-Geschäftsführer aufgrund des Umweltinformationsgesetzes (UIG) vergeblich Unterlagen über die Haltungsbedingungen der Delfine zu erhalten. Eine Akteneinsicht wurde bisher von der Stadt mit der Begründung abgelehnt, dass keine entsprechenden Unterlagen vorlägen und dass es sich nicht um auskunftspflichtige Umweltinformationen handele. Der Verwaltungsgerichtshof in München hat kürzlich allerdings bestätigt, dass ein Zoo mit seinem Delfinarium dem Umweltinformationsgesetz unterliegt und damit auskunftspflichtig ist. Die Rechtsposition der Stadt Duisburg ist daher sehr fraglich.

Das NRW-Umweltministerium bestätigte den Tierschützern, dass in den letzten 20 Jahren 15 Delfine im Duisburger Delfinarium verstorben sind, davon neun Delfinbabys. Die beiden Tierschutz-Organisationen ProWal und WDSF vermuten jedoch insgesamt mehr als 60 verstorbene Meeressäuger im Duisburger Delfinarium. Der Zoo schweigt sich dazu aus.

WDSF-Geschäftsführer Jürgen Ortmüller: "Duisburg ist wahrscheinlich der größte Delfinfriedhof Europas. Der Duisburger Zoodirektor Achim Winkler züchtet seine Delfine auf Teufel komm raus, bisher allerdings weitgehend vergeblich. Die Delfinbabys werden niemals in den Genuss von Freiheit kommen und stattdessen für Show-Zwecke missbraucht." Andreas Morlok von ProWal: "Delfine in Gefangenschaft kennen nur Fische, die aus der Luft in ihr Maul fliegen. Mit artgerechter Haltung hat der ganze Rummel absolut nichts zu tun."

Nachdem in Duisburg kürzlich drei Delfin-Nachzuchten präsentiert wurden, vermuten die Delfinschützer, dass es sich um künstliche Befruchtungen gehandelt hat. Das jedoch würde nicht der EU-Zoo-Richtlinie entsprechen.

Der Duisburger Zoo hatte im Jahr 2010 über 140.000 Besucher weniger als im Vorjahr. Die beiden Tierschutzorganisationen führen das auf ihre Aktionen mit über 50.000 verteilten Flyern zurück, der Zoo argumentiert mit "besucherunfreundlicher Witterung". Die Stadt Duisburg musste den Zoo in den letzten Jahren jeweils mit rund 2,2 Millionen Euro unterstützen.

(ots)

Bild: Alice Chodura (Creative Commons Lizenz 3.0)

Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen? Dann würden wir uns freuen, wenn Sie ihn mit Ihren Freunden teilen.

Kommentare  

 
0 # Antonietta 2011-11-04 18:24
Es ist unverantwortlic h, diese hochentwickelte n Tiere in Gefangenschaft zu halten, weil ihnen selbst die elementarsten Grundbedürfniss e vorenthalten werden: In freier Wildbahn leben Delfine in Gruppen von bis zu 100 Tieren zusammen, erreichen Geschwindigkeit en von bis zu 50 km/h, können bis zu 500 Meter tief tauchen und werden 10 Jahre älter als in Gefangenschaft.
Auch die Nahrung in Gefangenschaft, nämlich toter Fisch, ist für Delfine nicht "natürlich", denn in freier Wildbahn fressen Delfine nur lebende Fische, tote meiden sie. Delfine sind akustische Tiere; ihre Kommunikation und Orientierung im Raum erfolgt zum grossen Teil akustisch. Der akustische Ortungssinn ist in Gefangenschaft praktisch nutzlos und verkümmert.
Antworten | Antworten mit Zitat | Zitieren
 

Sie sind hier: Aktuell Vermischtes Tierschützer verklagen Zoo Duisburg - Größter Delfinfriedhof Europas?