Studentenproteste an über 50 Hochschulstandorten
Die Studenten haben ihren Protest gegen die Studienbedingungen an deutschen Unis nach eigenen Angaben nochmals deutlich ausgeweitet. Bundesweit waren Hörsäle an mehr als 50 Hochschulstandorten besetzt, wie der studentische Dachverband fzs in Berlin mitteilte. Bei Hochschulrektoren und Bildungspolitikern stießen die Proteste auf grundsätzliches Verständnis.
Weitere Aktionen gegen Missstände im Bildungssystem seien in Planung, kündigte der fzs an, der nach eigenen Angaben als überparteilicher Dachverband rund eine Million Studierende in Deutschland vertritt. Zugleich rief die Organisation "alle Menschen auf, sich an den Protesten zu beteiligen".
Die Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Margret Wintermantel, nannte es"richtig, dass die Studierenden sich zu Wort melden". Zugleich rief sie die Studierenden zur Dialogbereitschaft auf. Frontalangriffe auf die Professorenschaft und "ideologisch gefärbte Thesen" wie der Vorwurf der Ökonomisierung der Hochschulen machten hingegen unglaubwürdig. "Wir wünschen uns einen offenen Dialog in den Hochschulen und in den Foren der HRK", unterstrich Wintermantel.
Der fzs erklärte dagegen, die Ökonomisierung der Bildung nicht wegzudiskutieren. Er verwies unter anderem auf Studiengebühren, leistungsorientierte Mittelvergabe und Leistungsstipendien. Die Studenten wollen mit den Besetzungen von Hörsälen ihrer Forderung nach umfangreichen Änderungen im Hochschulwesen Nachdruck verleihen. Sie beklagen unter anderem Mängel bei der Umstellung auf Bachelor- und Masterstudiengänge.
Bildungspolitiker forderten angesichts der andauernden Studentenproteste eine rasche Umsetzung von Reformen in Universitäten. Der Präsident der Kultusministerkonferenz (KMK) und Schweriner Bildungsminister Henry Tesch (CDU) sagte der "Berliner Zeitung": "Ich verstehe durchaus die studentische Kritik an vielen Stellen." Die Bundesländer hätten auf der KMK-Tagung im Oktober Maßnahmen beschlossen, um das System der Bachelor- und Masterstudiengänge zu verbessern. "Jetzt geht es an die zügige Umsetzung."
Die SPD-Bildungsexpertin Ulla Burchardt begrüßte die Proteste der Studenten. "Ihre Forderungen für ein demokratisches und soziales Bildungssystem sind verständlich und berechtigt", erklärte sie. Die Grünen-Wissenschaftsexpertin Krista Sager nannte die Proteste auch deshalb wichtig, "weil durch die Steuer- und Klientelpolitik von Schwarz-Gelb die Hochschulfinanzierung insgesamt gefährdet ist". Damit verschlechterten sich auch die Bedingungen für schnelle Reformen, sagte Sager der "Berliner Zeitung".
© 2009 AFP
Bild: Lennart Preiss
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