Janukowitsch gewinnt offenbar Präsidentenwahl in Ukraine
Gut fünf Jahre nach seiner Entmachtung durch die Orangene Revolution in der Ukraine ist der pro-russische Politiker Viktor Janukowitsch laut Teilergebnissen an die Staatsspitze gewählt worden. Wie die Wahlkommission mitteilte, lag Janukowitsch in der Stichwahl nach Auszählung in rund 80 Prozent der Wahllokale knapp vor Regierungschefin Julia Timoschenko. Ihr Vize hatte zuvor von massiven Wahlfälschungen gesprochen.
Die Zentrale Wahlkommission erklärte in Kiew, Janukowitsch komme nach Auszählung in 80 Prozent der Wahllokale auf einen Stimmenanteil von 48,67 Prozent. Seine pro-europäische Rivalin Timoschenko errang demnach 45,66 Prozent. 4,5 Prozent der Wahlteilnehmer sprachen sich ausdrücklich gegen beide Teilnehmer der Stichwahl von Sonntag aus. Die Wahlbeteiligung lag den offiziellen Angaben zufolge bei 69 Prozent. Bei dem Urnengang war es vereinzelt zu Zwischenfällen gekommen. In Kiew beschlagnahmte die Polizei rund 40 Stifte in den Wahlkabinen, die löschbare Tinte enthielten, um Betrug vorzubeugen.
Schon vor der Veröffentlichung der Teilergebnisse erklärte Janukowitsch sich gestützt auf Nachwahlbefragungen zum Sieger. Damit werde eine "neue Seite" in der Geschichte des Landes aufgeschlagen, sagte der bisherige Oppositionsführer. Die amtierende Ministerpräsidentin Timoschenko forderte er auf, ihren Rücktritt vorzubereiten. Zugleich versicherte Janukowitsch, er werde "alles tun um sicherzustellen, dass die Bürger der Ukraine - egal wo im Land sie leben - sich in einem stabilen Land wohl und beruhigt fühlen". Damit sprach Janukowitsch die Spaltung des Landes in seine Hochburg, den russisch-sprachigen Osten, und Timoschenkos Hochburg, den ukrainisch-sprachigen Westen, an.
Timoschenko wollte vorerst einen Sieg ihres Rivalen nicht anerkennen. "Solange nicht alle Stimmzettel ausgezählt sind, ist es unmöglich, von irgendeinem Ergebnis zu sprechen", sagte die Ministerpräsidentin. Ihr Vertrauter, Vize-Ministerpräsident Olexander Turtschinow, sprach von "massiven Fälschungen" bei der Wahl. Timoschenko hatte vorab mit Straßenprotesten ihrer Anhänger gedroht, sollte Janukowitsch den Urnengang manipulieren.
Janukowitsch war bereits nach der Präsidentschaftswahl im November 2004 zum Sieger erklärt worden. Wegen des Verdachts der Wahlfälschung gingen damals tausende Menschen gegen ihn auf die Straße. Der Oberste Gerichtshof erkannte ihm schließlich den Sieg ab und ordnete eine neue Wahl an, die der bis heute amtierende Viktor Juschtschenko gewann.
© 2010 AFP
Bild: Andrei Smirnov
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